Copyright Kurt Wyss

Copyright Kurt Wyss

AUGENZEUGE Kurt Wyss

Ein halbes Jahrhundert in Photographien
12. August bis 10. September 2017
Kuratiert von: Katharina Dunst

Der Kunstraum Riehen zeigt ab 12. August eine Reise durch die letzten 50 Jahre Zeitgeschichte anhand ausgewählter Fotografien und Reportagen von Kurt Wyss. Die Kunst und die Künstler, die Wyss Zeit seines Lebens fotografisch dokumentiert und porträtiert hat, sind nur ein Teil eines Lebenswerks, das dem Menschen und seinem Handeln durch das Auge der Kamera auf der Spur ist.

Seit 1956 ist Kurt Wyss Fotograf und arbeitet ab 1958 als freier Fotoreporter. Von 1965 bis zur Fusion mit den Basler Nachrichten 1976 leitet er die Bildredaktion der Nationalzeitung. Anschliessend ist er bei der neu gegründeten Basler Zeitung Redaktor ad personam, eine feste Anstellung, die ihm gleichzeitig grosse gestalterische Freiheit lässt.

Die meist schwarzweissen Bilder von Kurt Wyss zeichnen sich durch klare Kompositionen voller Erzählkraft aus. Sie vermögen es, auch ambivalente oder kontroverse Ansichten der Realität zu transportieren.

Seine Fotografien als Kunst zu bezeichnen, käme Kurt Wyss nicht in den Sinn; dass sie mit Wissen und Können erfüllt sind und sein müssen, ist selbstverständlicher Anspruch. Wie als Garant dieses Berufsethos und einer Verpflichtung gegenüber der Profession lässt Wyss das Ph in Photographie Ph sein. Es weist mit Respekt auf die Zeit der Entstehung der Lichtkunst aber auch des eigenen Werdegangs hin.

Für Wyss, dessen Traumberuf einmal Ethnologe war, ist die Kunst ein Versuchsfeld der „condition humaine“, wie Annemarie Monteil einmal treffend feststellte. Stets ist es der Mensch hinter seiner Profession, hinter seinem Image oder hinter seinen Lebensumständen, was ihn interessiert. Da ist zum Beispiel die Jugend im Basel der Nachkriegszeit, leise erwachender Widerstand, Menschen in Biafra während des Kriegs und der Hungerkatastrophe um 1969 aber auch die gleichzeitig ins Leben gerufene Art Basel und ihre Besucher bis heute.

Nicht wie ein Jäger, unsichtbar den richtigen Moment abwartend, muss man sich Kurt Wyss bei der Arbeit vorstellen. Er tritt aktiv auf die Bühne, interagiert mit seinen Protagonisten, diskutiert und schafft so eine Atmosphäre, die Bilder jenseits der Klischees möglich machen.

Das Interesse und die Neugier an den Dingen sind ebenso wichtig wie der Bildauftrag. „Man sieht nur, was man weiss“, ist eine der vielen Weisheiten, die Kurt Wyss beiläufig ins Gespräch bringt, wobei man rasch merkt, dass es sich dabei um etwas Erfahrenes und nicht nur Zitiertes handelt.

 

 

 

 

 

Piero Fogliati, Prisma meccanico

Piero Fogliati, Prisma meccanico

Glaser/Kunz, Kopfkino

Glaser/Kunz, Kopfkino

Glaser/Kunz, Piero Fogliati - Visions and Dreams

20. Mai bis 9. Juli 2017

Kuratiert von Dominique Mollet und Sue Irion

In der Ausstellung „Träume und Visionen“ treffen Künstler aus zwei verschiedenen Generationen aufeinander. Sowohl der in Canelli/Asti geborene Piero Fogliati (1930 bis 2016) als auch das Zürcher Künstlerpaar Glaser/Kunz, Daniel Glaser (1968) und Madgalena Kunz (1972), schaffen Projektionen und Rauminstallationen, denen sich der Betrachter kaum entziehen kann. Beide laden den Zuschauer ein, in eine eigene Welt zu tauchen, die von Sinneseindrücken und Wahrnehmungen geprägt ist, wobei die Unterscheidung zwischen Realität und Illusion schwierig wird.
Internationale Bekanntheit erlangte Fogliati an der XLII. Biennale di Venezia 1986 mit „Edicola delle Apparizioni“ (der Kiosk der Erscheinungen), einem leeren Raum, in dem einzelne Bilder vor den Augen der Zuschauer aus dem Nichts auftauchen und wieder verschwinden. Die Erforschung von Licht und seiner Phänomene oder von Geräuschen waren zeitlebens zentrale Themen seines Wirkens und er wollte eine „Città Fantastica“ schaffen, in der die Geräusche, das Licht und die Wasserströme zu ästhetischen Elementen werden. In der Ausstellung „Träume und Visionen“ sind verschiedene seiner mittlerweile musealen optischen und akustischen Werke zu erleben.
Zu Fogliatis Werken wurde das Künstlerduo Glaser/Kunz eingeladen, ihre Visionen und Wahrnehmungen zu präsentieren. Die beiden Zürcher Künstler sind mit ihren „Kinematografischen Skulpturen“ bekannt geworden, einer Verbindung von Skulptur, Film und Rauminstallation. Dabei weiss der Besucher zunächst nicht, ob er einer Live-Performance beiwohnt oder einer Inszenierung mit Projektionen. Glaser/Kunz erzählen mit ihren Bildwelten Geschichten, sprechen von Sehnsüchten oder Träumen.
Sowohl Fogliati als auch Glaser/Kunz spielen mit der Realität und verführen die Besucher, sich auf neue Welten einzulassen, wobei oft unklar bleibt, ob diese überhaupt existieren oder reine Illusion sind.

Esther Hiepler, Kuben und Quader

Esther Hiepler, Kuben und Quader

Max Philipp Schmid, Duett

Max Philipp Schmid, Duett

Rewind 1997

25. Februar bis 17. April 2017

Kuratiert von: Noëlle Pia

Wer noch mit Videobändern aufgewachsen ist, erinnert sich an die beiden Tasten «rewind» oder «fast forward». Spulen wir also etwa 20 Jahre zurück, und werfen wir einen Blick auf die Videokunst im Raum Basel Mitte und Ende der 1990er Jahre.

Das Videoschaffen hat in Basel einen hohen Stellenwert nicht zuletzt dank der Pionierarbeit, die 1985 – gegen einigen Widerstand - zur Etablierung  der ersten reinen Film- und Videoklasse an einer Schweizer Kunsthochschule führte. Abgängern und Abgängerinnen der ersten und zweiten Klasse für Audiovisuelle Gestaltung  ist national oder sogar international viel Aufmerksamkeit zuteil geworden. Doch wie verhält es sich eigentlich mit der darauf folgenden Generation, die in den 1990er Jahren in Erscheinung trat? Alle Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung arbeiteten damals vorwiegend mit dem Medium Video, viele tun es heute noch. Sie konnte sich dem Medium  mit grösserer Selbstverständlichkeit nähern als die vorangehenden Generationen, die sich noch stärker auch politisch für dessen Akzeptanz einsetzen musste. Zudem war der Zugang zur Technologie einfacher (etwa dank der zuvor entstandenen Videogenossenschaften). Dieses entspanntere Verhältnis zur Technik führte wohl auch dazu, dass diese in all ihren Spielarten perfektioniert wurde oder aber sie keine übergeordnete Rolle spielte und als reines Aufzeichnungsmedium diente. Die Ausstellung umfasst diese Bandbreite an Zugängen, öffnet sich aber auch dem Musikvideo und dokumentarischen Arbeiten.

Die Kunstschaffenden traten also zu einer Zeit in Erscheinung, als sich die Videokunst auch ausserhalb spezialisierter Festivals und Institutionen immer stärker etablierte, die aber auch geprägt war vom Übergang zur Digitalisierung, die unser Verhältnis zum bewegten Bild völlig verändern sollte. Noch war Videosoftware nicht Teil jedes Heimcomputers. Auch die Distributionswege über die digitalen Netzwerke existierten zehn Jahre vor YouTube noch nicht oder nur sehr beschränkt. Ein Blick auf die Videokunst der mittleren 1990er Jahre macht einem diese Veränderungen bewusst.

Mit Bettina Grossenbacher, Esther Hiepler, Christoph Oertli, Max Philipp Schmid, Hildegard Spielhofer

 

Maximilian Arnold, Untitled, 2015

Maximilian Arnold, Untitled, 2015

Frank Altmann, Vogelhaus (Architekton), 2016

Frank Altmann, Vogelhaus (Architekton), 2016

Regionale 17

Shades of Grey
27. November 2016 bis 20. Januar 2017

Kuratiert von Kiki Seiler-Michalitsi

Der assoziationsreiche Ausstellungstitel bezieht sich nicht auf eine unter einer Farbvorgabe beabsichtigte Werkauswahl. Vielmehr handelt es sich dabei um Abstufungen der unbunten Farbe Grau, die sich bei den meisten der ausgewählten Werke überraschenderweise feststellen liessen. Modellhafte, an Architektur erinnernde Arbeiten, Skulpturen und Wandreliefs, Malerei und suprematistisch anmutende Arbeiten, objektivierte Fotografie, digital erzeugte Bilder (Renderings) und Objekte bzw. nicht gemalte, aus nonkonformistischen Materialien erzeugte Bildgestaltungen prägen dabei die Ausstellung.

Künstlerinnen und Künstler: Frank Altmann (DE), Maximilian Arnold (DE), Martin Chramosta (CH), Ildiko Csapo (CH), Tobias Eder (DE), Christina Frey (CH), Andreas Frick (CH), Eva Gadient (CH), Gert Handschin (CH), Olga Jakob (DE), Nico Müller (CH), Daniela Prohaska (DE), Uta Pütz (DE)

Vernissage: Samstag, 26. November, 11 Uhr. Veranstaltungen: Donnerstag, 8. Dezember, 19.00 Uhr: Verleihung des "Kunst Preis Riehen", gesponsert von Burckhardt+Partner. Sonntag, 8. Januar, 11.00 Uhr: Führung durch die Ausstellung mit Kiki Seiler-Michalitsi im Rahmen der Regionale-Bustour. Freitag, 20. Januar, 18-02 Uhr: Museumsnacht

Yves Scherer, Johnny & Kate (Blood), 2016, Foto: Viktor Kolibal

Yves Scherer, Johnny & Kate (Blood), 2016, Foto: Viktor Kolibal

Karim Noureldin, Ausstellungsansicht, Foto: Viktor Kolibal

Karim Noureldin, Ausstellungsansicht, Foto: Viktor Kolibal

Athene Galiciadis, Ausstellungsansicht, Foto: Viktor Kolibal

Athene Galiciadis, Ausstellungsansicht, Foto: Viktor Kolibal

When Forms Become Attitude

1. Oktober bis 6. November 2016

Anna Amadio, Athene Galiciadis, Viktor Korol, Karim Noureldin, Yves Scherer
Kuratiert von Kiki Seiler-Michalitsi

Der Titel der Ausstellung bezieht sich in abgewandelter Form auf den zu einem Terminus avancierten Ausstellungstitel „Live in your head: When Attitudes Become Form“, unter welchem die bahnbrechende, 1969 in der Kunsthalle Bern von Harald Szeemann kuratierte Ausstellung stattfand.Harald Szeemanns vieldiskutierte Schau richtete sich nicht nur gegen die damals herrschende Dominanz der Informellen Malerei (Tachismus) und der geometrischen Kunst. Vielmehr handelte es sich dabei um eine neue Form der Werkpräsentation und der Inszenierung von neuen Kunstformen und Materialien, die auch zu einer Erweiterung des Kunstbegriffs führen sollten. Mit „Works-Concepts-Processes-Situations-Information“ – so der ausführliche Titel im Ausstellungskatalog in Bern – waren zudem die „Formen“ benannt, in welchen künstlerische Haltungen zum „Werk“, zur „Form“ wurden. Nachdem mehr als viereinhalb Jahrzehnte später erste Versuche zu einem „Reenactment“ der aktionistisch aufgeladenen Ausstellung in der Berner Kunsthalle unternommen wurden (2013, Fondazione Prada, Venedig), drängt sich, daran reflektierend, die schlummernde Frage nach der Bedeutung der künstlerischen Haltung und ihrer Sichtbarkeit in der „Form“ in Zeiten globalisierter, vernetzter Kultur erneut in den Vordergrund. Die Ausstellung im Kunst Raum Riehen, mit Arbeiten von fünf unterschiedlich arbeitenden KünstlerInnen, versucht dieser Frage nachzugehen.

Gustav Stettler, Grosse Gruppe II, 1985/86

Gustav Stettler, Grosse Gruppe II, 1985/86

Die zärtliche Gleichgültigkeit der Welt. Die Basler Künstlergruppe Kreis 48

21. August bis 11. September 2016

Kuratiert von: Katharina Dunst und Claudia Pantellini

Dem Kreis 48 war – im Gegensatz zum deutlich politisch motivierten Kreis 33 - nicht an einem definierten inhaltlichen oder künstlerischen Programm gelegen. Max Kämpf, Karl Glatt oder Gustav Stettler – um nur einige der Mitglieder zu nennen - verband das Interesse an der Darstellung des Menschen und der Wille, ihre Arbeiten auch in den angesagten Kunsträumen ausstellen zu können. Die meisten 48er-Künstlerinnen und Künstler bleiben der figurativen, beziehungsweise der gegenständlichen Kunst während ihres gesamten Schaffens verpflichtet. Ein Umstand, der sie neben den avantgardistischen Entwicklungen im Kunstgeschehen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als reaktionär erscheinen liess.

Die neu herauskommende Monografie geht einerseits den Beweggründen nach, weshalb sich Kunstschaffende zu Kollektiven fanden. Andererseits werden das individuelle Wirken und Schaffen einzelner Mitglieder des Kreises beleuchtet und gewürdigt.

In der Ausstellung im Kunst Raum Riehen werden Positionen aus dem Kunstbesitz der Gemeinde, Privatsammlungen und der Sammlung des Kunstkredits Basel-Stadt gezeigt. Dies mit dem Fokus, die menschliche Existenz in ihren vielschichtigen Erscheinungen zu spiegeln.

Die Monografie „Die Basler Künstlergruppe Kreis 48“ erscheint im Christoph Merian Verlag

Róza El-Hassan beim Aufbau von "Breeze" (Adobe Houses). Foto: Jeannette Mehr

Róza El-Hassan beim Aufbau von "Breeze" (Adobe Houses). Foto: Jeannette Mehr

Martha Rosler, Materialien aus dem Archiv "If You Lived Here", Courtesy Martha Rosler Studio, Foto: Serge Hasenböhler

Martha Rosler, Materialien aus dem Archiv "If You Lived Here", Courtesy Martha Rosler Studio, Foto: Serge Hasenböhler

Róza El-Hassan, Ausstellungsansicht Parterre, Foto: Viktor Kolibal

Róza El-Hassan, Ausstellungsansicht Parterre, Foto: Viktor Kolibal

Future's Dialect. Róza El-Hassan /Martha Rosler

28. Mai bis 3. Juli 2016

Kuratiert von: Isabel Halene
Unterstützt von Erna Hecey Luxemburg/Brüssel

Widerstand gegen Krieg, Gewalt und Unterdrückung.
Zwei Künstlerinnen, zwei Generationen, zwei Kulturkreise, ein Thema.

Róza El-­Hassan (Budapest) und Martha Rosler (Brooklyn) sind zwei Konzeptkünstlerinnen, die sich weigern, ein Leben von Menschen unter menschenunwürdigen Bedingungen zu akzeptieren. Im Kunst Raum Riehen stellen sie erstmals gemeinsam ihre Arbeit aus.

Der Titel der Ausstellung Future’s Dialect ist einem Text und Ausstellungskonzept El­Hassans aus dem Jahr 2014 entlehnt. In dieser ergreifenden Vision verknüpft El­Hassan archaische syrische Erdkuppelbauten mit utopischen Inhalten, –z.B. mit dem Flüchten in den Weltraum und dem Errichten von Siedlungen aus Mondkuppelbauten, wie sie der iranisch-amerikanische Architekt Nader Khalili in den Achtzigerjahren der NASA vorschlug. Future’s Dialect wurde als antizipativer, hoffnungsvoller jedoch auch kritischer Titel für diese erste gemeinsame Ausstellung gewählt, in der die Künstlerinnen Arbeiten kombinieren, die verschiedene Momente sozialer Krisen, militärischer Konflikte, humanitärer Tragödien, aber auch Antworten künstlerischer Solidarität darstellen.

Martha Rosler gehört seit Jahrzehnten zu den herausragenden Persönlichkeiten der Gegenwartskunst, mit Arbeiten vornehmlich zum Verhältnis von gesellschaftlichem Leben und Öffentlichkeit. Dabei erkundet sie aktivistische Positionen in Feminismus, Antikriegs- und Menschenrechtsbewegungen. Roslers Sicht ist mit ihren Fotomontagen und dem Archiv ihres bahnbrechendem Projektes If you lived here… zu Wohnen und Obdachlosigkeit vertreten, das zum ersten Male 1989 in der Dia Art Foundation in New York ausgestellt wurde. 2004 und dann wieder 2008 greift Rosler infolge der US-amerikanischen Invasion des Irak und Afghanistans eine ihrer berühmtesten Fotomontageserien wieder auf: House Beautiful: Bringing the War Home. Sie führt die Betrachter in anspruchsvolle Wohnräume und verschmilzt die hochgradig gestylten Interieurs mit Elementen der Kriegsrealität und ihrer Repräsentation in den Massenmedien.

Róza El-Hassan hat in den letzten Jahren hat eine umfassende Untersuchung archaischer Methoden und Formen syrischer Architektur durchgeführt. Sie schlägt ein neues Kapitel in ihrem engagierten Menschenrechtsaktivismus und ihrer Sozialkritik auf, indem sie in ihrer künstlerischen Vision die jahrtausendealte Tradition ökologisch begründeter, authentischer arabischer Volksarchitektur mit Vorschlägen für eine realisierbare und nachhaltige Lösung verbindet, um die durch den Syrienkrieg verursachte humanitäre Krise zu lindern, und um die dem Erdboden gleichgemachten Grossstädte wiederaufzubauen.

Die Zeichnungen, Skizzen, Skulpturen, Architekturmodelle und Installationen mit den Werktiteln Breeze und Architecture of Compassion El-Hassans veranschaulichen ihren grossen Experimentierwillen bei der Suche nach radikalen Lösungen für den erhofften Wiederaufbau in Syrien. Sie vollzieht dabei eine Neubewertung traditioneller Materialien und Technologien im Licht ökologischer Herangehensweisen und im Bewusstsein für Nachhaltigkeit.

So verschieden die Arbeiten dieser beiden Künstlerinnen sein mögen, in ihrem Kern berühren sie eine Frage: Was kann die/der Einzelne angesichts von Krieg und Verwüstung leisten? In der Ausstellung stösst Kritik auf Klage. Konfrontation auf Hoffnung.

Text: Barnabás Bencsik, Isabel Halene

Über die Künstlerinnen und ihre Arbeit

Róza El-Hassans umfangreiches zeichnerisches und bildhauerisches Werk wurde in der in Secession, Wien (2000), im Drawing Center, NY (2003) in der Mücsarnok/Kunsthalle, Budapest (2006) und im Kunstmuseum Basel (2012) ausgestellt. Auch mittels Videos, Installationen und Performances thematisierte Róza El-Hassan die Geschichte der Gegenwart, sozialpolitische und psychologische Fragestellungen, während sich ihre neuste Arbeit auf „Social Design” und ökologisches Bauen konzentriert. Künstlerische und politische Aktion sind für sie untrennbar verbunden. Sie arbeitet an Einzelprojekten, kooperativen Projekten mit anderen Künstlern und als Kuratorin und Bloggerin.

Martha Roslers Arbeitsweise umfasst eine Vielzahl Medien und Formate; Fotografie, Video, Skulptur und Installation. Oft sind ihre Arbeiten dem öffentlichen Raum und alltäglichen Lebenswelten gewidmet, besonders der Sichtweise der Frau. In einigen ihrer bekanntesten Arbeiten geht es um das geopolitische Dilemma von Ansprüchen und Enteignung,

If you lived here… ihr Ausstellungszyklus zu Wohnen, Obdachlosigkeit, und Visionen der Stadtplanung (Dia Art Foundation, 1989), gilt als bahnbrechendes Paradigma fürs Ausstellungmachen.

2004 und 2008 nahm sie in Opposition zu den Irak- und Afghanistankriegen ihre Fotomontageserie „House Beautiful: Bringing the War Home“, wieder auf, welche ursprünglich als Reaktion auf den Vietnamkrieg in den späten Sechszigerjahren entstand. Weltweit fanden Retrospektiven ihrer Arbeit statt. Ihre Texte erscheinen in Artforume-flux journal, und Texte zur Kunst.

Manuel Schneider „Are you there it`s me“ 2015

Manuel Schneider „Are you there it`s me“ 2015

Mika Taanila „Futuro – a new stance for tomorrow“ 1998

Mika Taanila „Futuro – a new stance for tomorrow“ 1998

Aida Kidane, Asmara 1

Aida Kidane, Asmara 1

amivalence of dawn - vom Prinzip der Verheissung

19. März bis 24. April 2016

Kuratiert von Nicolas Kerksieck

Die neue Ausstellung spannt einen Bogen zwischen den gesellschaftlichen und technologischen Utopien der 1960er Jahre und deren Rezeption und Implikation heute. Es wird im Spiegel zeitgenössischer Kunst die Frage gestellt, welche Rolle Utopien und Visionen heute spielen und wie diese im gesellschaftlichen Diskurs angewendet werden im Hinblick auf eine mögliche Zukunft.Die Euphorie des technologisch Machbaren, wie sie beispielsweise nach der ersten Mondlandung noch vorherrschte, ist heute einer Skepsis gegenüber visionären Grossereignissen gewichen. Zu viele Nebenwirkungen, Brüche und Uneinlösbarkeiten brachten jene scheinbar gloriosen Verheissungen mit sich. Ein wichtiges Merkmal der Gegenwart ist die Erkenntnis der Vielschichtigkeit und Ambivalenz von Ereignissen. Der Glaube an eine alleingültige Utopie, an eine unbefragte Richtigkeit - sei sie religiöser, politischer oder technologischer Natur - erscheint uns heute als weitaus schwieriger anzunehmen. Aus diesem Grund ist die Ausstellung zum 30. Jahrestag der Explosion des Space Shuttles Challenger und der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl angesetzt.

 „ambivalence of dawn – vom Prinzip der Verheissung“ zeigt künstlerische Positionen, die solche visionären Verheissungen in sich tragen oder diese dokumentieren, wie die Arbeit „Futuro – a new stance for tomorrow“ von Mika Taanila. Der finnische Künstler dokumentiert die von Matti Suuronen entworfenen und gebauten Futuro Homes, die einen visionären Schritt des gekapselten Wohnens in aerodynamisch raumschiffähnlicher Formgebung verkörpern und damit ein Lebensgefühl der 1960er Jahre widerspiegeln. Konrad Zuse, der Erfinder und Erbauer des ersten funktionsfähigen Computers, malte Bilder, deren Dynamik und Expressivität seine persönliche Vision zukünftig urbanen Lebens veranschaulichen. Der junge Basler Künstler Manuel Schneider zeigt Apparaturen, die scheinbar wissenschaftliche Erkenntnisse veranschaulichen, sich jedoch jeder rationalen Zugänglichkeit widersetzen und somit auch jenem Gefühl der Ambivalenz und Unsicherheit Raum geben.. Die Ausstellung geht der Verheissung und ihren Triebkräften nach, zeichnet aber in einem direkten Bezug zur Gegenwart auch die Grenzen jener Aufbrüche nach.

Aida Kidane (*1979, Eritrea), Angela Cerullo& Giorgio Bloch (*1982/1981, Schweiz), Manuel Schneider (*1991, Schweiz), Mika Taanila (*1965 Finnland), Konrad Zuse (1910 – 1995 Deutschland), Kristian von Bengtson from Copenhagen Suborbitals (Raumfahrtentwicklungskollektiv seit 2008, Dänemark)

Martin Kohout, Installationsansicht, Prag, 2015

Martin Kohout, Installationsansicht, Prag, 2015

Martin Kohout. Jokes Machines Make About Humans: 2nd infusion

with "The Heart of Glass Bar" by Florian Schmidt-Gabain

bis 28. Februar 2016

Kuratiert von Isabel Halene

Vielerorts und sehr beschäftigt. In Martin Kohouts beharrlichen, manchmal seriellen Befragungen sind mehrere künstlerische Disziplinen eingespannt. Sie allesamt werden kombiniert und gemischt mit Elementen aus der neusten Technik, der Wahrnehmung, der Produktion. Martin Kohout offenbart zunächst eine pure Neugier für die Lebensbedingungen. Er formt, brennt, glasiert, er ruft die Natur, um vordergründig Flüssigkeit zu fassen, verfolgt den Strom durch Licht- und Bewegungsmaschinen. Präzise Beobachtungen, Überlegungen und Manipulationen gelten der Vorbereitung der Schritte, die Teil eines grossen Ereignisses werden. Der Kunst Raum Riehen als Reagenzglas. Mitten darin befindet sich der willkommene Besucher. Maschinenwitze über uns, Menschen.

Martin Kohout ist 1984 in Prag geboren, studierte ausser an der dortigen FAMU auch an der Städelschule Frankfurt. Er lebt in Berlin und Prag.

 




 

 

Kunst Raum Riehen | Im Berowergut, Baselstrasse 71 | 4125 Riehen | Tel. +41 (0)61 641 20 29 | E-Mail: kunstraum@riehen.ch  | www.kunstraumriehen.ch